Saterfriesisches Wörterbuch
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Bjoor, do Bjore, dät

Bier: wäch?t hälpt mie woorm Bjoor (warmes Bier – Getränk bei der Totenfeier) ätter min Dood?: was hilft mir warmes Bier nach meinem Tod (= der Rat, der Trost, die Hilfe kommt zu spät).

säärm

1. selbst: 1.1 uut sik säärm : aus eigenem Antrieb; sponte suâ . 1.2 dät häbe iek säärm : ich brauche es nicht zu kaufen. 1.3 dät mout älk säärm wiete : das muss jeder selbst wissen. 1.4 fon säärm! : natürlich, selbstverständlich! 1.5 iek stuud deer säärm bee/ : ich stand selbst dabei. 1.6 dät häbe iek him säärm tou kweden : das habe ich ihm selbst/persönlich gesagt. 1.7 säärm bjoud Bjoor : selbst gebrautes Bier. 1.8 säärm boaken Brood : selbst gebackenes Brot. 1.9 säärm braidede Hozen : selbst gestrickte Strümpfe. → sälwen

Kluk, -ke, die

1. (Flüssigkeit) Schluck, Mundvoll: ‘‘n Kluk Woater, Bjoor : ein Schluck, Mundvoll Wasser, Bier. 1.2 hie noom ‘n groten Kluk: er nahm einen großen Schluck. 1.3 hie häd ‘n gouden Kluk: er hat einen guten Such am Leibe.

Krountje, ju/dät

1. die Spitze, das Feinste vom Feinsten: 1.1 dät Bjoor in dät Weertshuus is dät Krountje: das Bier in der Wirtschaft ist das Feinste vom Feinsten. 1.2 Baltrum is fluch, man Spiekerooch is ju Krountje: Baltrum ist schö‘n, aber Spiekerooch ist die Spitze. 2. jemand, der immer der Erste, die führende Persönlichkeit sein will: jou Hinnerk wol aaltied ju Krountje weze: euer Hinnerk will immer der Erste sein.

laf

1. (Kost) fade, geschmacklos, ohne Würze: dät ieten is laf : das Essen ist geschmacklos. 2. (Bier) schal, abgestanden: dät Bjoor smoaket laf : das Bier schmeckt schal.

Nipje (b) , -ne, dät

Schluck: reek mie ‘‘n Nipje Bjoor, ‘‘n Nipje Woater : gib mir einen Schluck Bier, einen Schluck Wasser.

nirje

1. (Tier) knurren: die Huund nirrede, as wie an him fóarbiegenen : der Hund knurrte, als wir an ihm vorbeigingen. 2. murren: uus Bääsjebabe nirret, wan wie nit genouch Bjoor in Huus häbe : unser Opa murrt, wenn wir nicht genug Bier im Hause haben.

of (b)

1. oder: 1.1 wolt du Fisk of Flaask? : willst du Fisch oder Fleisch? 1.2 of so : oder etwas Ähnliches. 1.3. dät skäl lope, of nit? : das wird gehen, nicht wahr? 1.4 iek häbe ‘‘n hoolwe Klippe Bjoor of so droanken : ich habe ungefähr eine halbe Kanne Bier getrunken. 1.5 as Bäidene häbe wie fon alles spield : Sköäweljen, Ringlopen, Ferstopjen of so : als Kinder haben wir alles gespielt: Eislaufen, Ringlaufen, Verstecken und dergleichen. ‘‘n Stuk of wäch?t Tuwwelke : einige Kartoffeln. wie häbe ‘‘n Glääs Wien of trjo droanken : wir haben ungefähr drei Gläser Wein getrunken. [In den Beispielsätzen 2. bis 7. finden wir eine syntaktische Konstruktion, die im Niederländischen weit verbreitet es. Nach einer Negation oder Einschränkung im Hauptsatz hat die unterordnende Konjunktion of verschiedene Bedeutungen. In einigen Fällen kann sie bei der Übersetzung ins Deutsche sogar weggelassen werden.] 2. und: et häd nit fuul skield, of hie waas unner dä‘n Woain kemen: es hat nicht viel gefehlt, und er wäch?re unter den Wagen gekommen. 3. wenn: et is naan Sundai, of ju Sunne nit skient: es ist kein Sonntag, wenn die Sonne nicht scheint. 4. wenn... nicht: iek kon mie dät nit uurs begriepe, of et sin Bruur wezen is: ich kann es sonst nicht begreifen, wenn es nicht sein Bruder gewesen ist. 5. obwohl; auch wenn: iek wol et kwede, of hie et nit here wol: ich will es sagen, obwohl/auch wenn er es nicht hören will. 6. falls: hie is dood, of jie dät nit wieten: er ist tot, falls ihr das nicht wisst. 7. dass: deer is naan Pot so skeeuw of deer ‘n Däksel ap paset: es gibt keinen Topf so schief, dass kein Deckel darauf passt. 8. es kommt darauf an: hie kon dät, man of hie dät wol: er kann das, aber es kommt darauf an, ob er er das will.

ommerwieze

eimerweise: in de Fäsleeuwendstied häbe do oolde Seelter ommerwieze Bjoor droanken : in der Fastnachtszeit haben die alten Saterfriesen eimerweise Bier getrunken.

ounsailje

1. heransegeln. 2. unerwartet (und häufig unerwünscht) irgendwo erscheinen: hie koom ounsailjen, juust as wie ‘‘n Fät Bjoor epenmoaked hieden : er tauchte plötzlich auf, gerade als wir ein Fass Bier aufgemacht hatten.

klopje

1. klopfen, schlagen: 1.1 in do Hounde klopje : klatschen. 1.2 hie kloppede fon Bliedskup in do Hounde : er klatschte vor Freude in die Hände. 1.3 dät Haat kloppede mie in dä‘n Hoals : das Herz klopfte mir im Hals. 2. quirlen: 2.1 do oolde Seelter häbe oafte älke Mäiden ‘‘n klopped Oai mäd Roodwien, Bjoor of Sluk droanken : die alten Saterfriesen haben häufig jeden Morgen ein gequirltes rohes Ei mit Rotwein, Bier oder Korn getrunken. 2.2 bee/ t Wustmoakjen wuud dät Swinnebloud klopped, dät et nit stulde : beim Wurstmachen wurde das Schweineblut gequirlt, damit es nicht gerann. 3. (+ sik) sich prügeln: do Wäänte klopje sik in de Spieltied : die Jungen prügeln sich wäch?hrend der großen Pause.

skafje

1. schaffen, bringen, befördern: wo skafje wie ju tjukke Kiste in t Huus oun? : wie bringen wir die dicke Kiste ins Haus hinein? 2. bezwingen, fertigbringen, erledigen: 2.1 dut Eedbäältjen skafje wie dälich noch : dieses Torfstapeln bezwingen wir noch heute. 2.2 in ju kute Tied häbe wie ‘‘n Masse skaffed : in der kurzen Zeit haben wir eine Menge erledigt. 3. beschaffen, besorgen: iek skafje uus wäch?t Brood, Bjoor un Sies : ich beschaffe uns etwas Brot, Bier und Käse.

skuumje

1. schäumen, brausen: 1.1 hie skumet fon Dulle/Dulligaid : er schäumt vor Wut. 1.2 dät Woater skumet in de Äi, wan die Wiend fäler wait : das Wasser in der Sater-Ems schäumt, wenn der Wind heftiger wird . 1.3 dät Bjoor is oold; et skumet nit : das Bier ist alt; es schäumt nicht.

slöätje

1. in kleinen Zügen trinken; nippen: hie slöätede an ‘‘n Glääs Bjoor : er nippte an einem Glas Bier. 2. schlürfen: 2.1 ju slöätet ‘‘n hele Petälje Sluk ap aan Ättermidddai : sie schlürft eine ganze Flasche Korn an einem Nachmittag. 2.2 du skääst din Koafje nit so slöätje! : du sollst deinen Kaffee nicht so schlürfen!

Smoak, die

1. Geschmack, Genuss: 1.1 mäd Smoak íete: mit Genuss essen, schlemmen. 1.2 deer is naan Smoak an dät Bjoor: das Bier hat keinen Geschmack. 1.3 iek häbe mäd Smoak ap de Bielde ankieked: ich habe das Bild mit Genuss betrachtet. 1.4 die Smoak is deerowe: der Geschmack ist daraus. 2. Geschmackssinn: man mout ‘n fainen Smoak häbe, uum so ‘n Wien tou genjoten: man muss einen feinen Geschmackssinn haben, um so einen Wein zu genießen. 3. Appetit: iek häbe deer naan Smoak an: ich habe keinen Appetit darauf. 4. Sinn, Lust: hie hied deer naan Smoak an: er hatte keine Lust dazu.

stutterbulje

1. einen Purzelbaum schlagen. 2. torkeln, stolpern; mit schweren Schritten gehen, vor allem über holperigen Boden (is). 3. sich etwas unbeholfen auf ein bestimmtes Ziel zubewegen (is): hie stutterbulde ap dät Fät Bjoor : er ging etwas unbeholfen auf das Fass Bier zu.

swäitsk

süßlich: dut Bjoor is mie tou swäitsk : dieses Bier ist mir zu süßlich.

Tied, -en, ju (in stehenden Ausdrücken ist Tied noch männlich: bute dän Tied; tou uungjuchten Tied )

1. Zeit: 1.1 Tied ferklaie: Zeit verschwenden. 1.2 wie mouten him wäch?t moor Tied läite: wir müssen ihm etwas mehr Zeit lassen. 1.3 fon, uut oolde(‘n) Tieden: von alters her. 1.4 iek häbe him ‘n loange Tied nit moor blouked: ich habe ihn eine lange Zeit nicht mehr gesehen. 1.5 hie kumt tou sien Tied bee/ uus: er besucht uns regelmäßig. 1.6 dät Ferspreken is uur ju Tied : die Vereinbarung ist verjährt. 1.7 dät häd noch Tied : das hat noch Zeit. 1.8 ju Tied outeeuwe : zögern, zaudern, abwarten. 1.9 in oolden Tieden : in alten Zeiten. 1.10 dät bruukt sien Tied : das braucht seine Zeit; das dauert lange. 1.11 ap de Tied : rechtzeitig, pünktlich. 1.12 bee/ sien Tied : seinerzeit. 1.13 ju kumende Tied : die Zukunft. 1.14 in dusse Tied : heutzutage. 1.15 fon Tied tou Tied : von Zeit zu Zeit; gelegentlich. 1.16 du ljowe Tied! : du liebe Zeit! 1.17 tou ju Tied : 1.17.1 zur Zeit. 1.17.2 auf der Stelle; jetzt sofort. 1.18 aan Tied läite : jemandem Bedenkzeit einräumen. 1.19 ätter kute Tied : nach einiger Zeit. 1.20 bee/ sien Tieden : zu seiner Zeit; zum richtigen Zeitpunkt. 1.21 Bute Tied : zu unpassender Zeit; außerhalb der Mahlzeiten. 1.22 et häd ‘‘n hele Tied nit rienen : es hat eine ganze Zeit nicht geregnet. 1.23 deer mout Tied tou weze : dafür muss man Zeit haben. 1.24 et is uur de Tied : die vereinbarte Zeit ist überschritten. 1.25 fon Tied tou Tied is so ‘‘n Melöär geböärd : von Zeit zu Zeit ist ein solches Unglück passiert. 1.26 hie häd de bääste Tied ape : er ist über die besten Jahre hinaus. 1.27 hie kon sien Bäidene nit truch ju Tied kriege : er kann seine Kinder nicht ernähren. 1.28 hie kumt mäd ju Tied tou kuut : die Zeit läuft ihm davon. 1.29 ju hoolwe Tied is ju nit in Huus : die Hälfte der Zeit ist sie nicht zu Hause. 1.30 iek häbe him in loange Tied/Tieden nit moor blouked : ich habe ihn seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen. 1.31 in ju Tied genen wie ‘‘n Bjoor drinke : in der Zwischenzeit gingen wir ein Bier trinken. 1.32 ju hele Tied uur : die ganze Zeit über. 1.33 juun de Tied bä‘n iek al Wier deer : zur vereinbarten Zeit bin schon ich wieder da. 1.34 juust tou gjuchten Tied : im letzten Moment. 1.35 dät Spil duurde Tied uum Tied : das Spiel dauerte ewig. 1.36 hie mout sik mäd sture Oarbaid truch ju Tied slo : er muss sich mit schwerer Arbeit den Kopf über Wasser halten. 1.37 tou gjuchter Tied : rechtzeitig. 1.38 hie kon sien Femielje nit truch ju Tied brange : er kann seine Familie nicht ernähren. 1.39 twiske do Tieden : von Zeit zu Zeit. 1.40 uus Ku gungt uur de Tied : unsere Kuh ist länger trächtig als üblich. 1.41 ju Stroafe is uur de Tied : die Strafe ist verjährt. 1.42 uur de Tied gunge : den richtigen oder gewohnten Zeitpunkt überschreiten. 1.43 tou glieker Tied, as hie tou ju Dore ienkoom, lätten do Klokken : zur gleichen Zeit, als er zur Tür hereinkam, läuteten die Glocken. 1.44 tou ju Tied uutrieten wäch?ide : sterben. Frist: 2.1 hie lätte/liet him fjautien Dege Tied : er gewährte ihm eine Frist von 14 Tagen. binne ju Tied : innerhalb der festgesetzten Frist. 2.3 ju Tied is ume; dät Kolich mout kume: die Frist ist abgelaufen; das Kalb muss kommen. 2.4 tou de Tied : fristgemäß. 3. Termin: wie mouten ju Tied ienhoolde : wir müssen den Termin einhalten. 4. Generation: in de Tied fon uus Bääsje : in der Generation unserer Großmutter. 5. Gefängnisstrafe: hie mout sien Tied ousitte : er muss seine Gefängnisstrafe absitzen.

allerbääste

allerbeste: dät Bjoor is läkker; of et dät allerbääste Bjoor is, kon iek die nit tälle : das Bier ist lecker; ob es das allerbeste Bier ist, kann ich dir nicht sagen.

joankje

sich sehnen nach: iek waas loange in Loundere, Wier do Moanskene naan Alkohol drinke; un ju hele Tied joankede iek ätter ‘‘n koold Glääs Bjoor : ich war lange in Ländern, wo die Menschen keinen Alkohol trinken; und die ganze Zeit sehnte ich mich nach einem kalten Glas Bier.

haue iek haue, du haust, hie/ju haut, wie haue; häuw, häuwen; hauen; hau! hauet!

1. hauen, schlagen: 1.1 du koast dät Wierks nit in dä‘n Gruund ounhaue : du kannst das Ding nicht in den Boden hineinschlagen. 1.2 an dä‘n Gruund haue : niederschlagen. 1.3 fon sik haue : sich wehren, sich verteidigen. 1.4 deerap looshaue : wild drauflos schlagen. 1.5 hie haut deerap deel as Paulus in do Korinthen : er schlägt wild darauf los wie Paulus bei den Korinthern. 1.6 hie haut rund uum sik tou : er schlägt um sich herum. 1.7 links un gjuchts wäch?kke deerap haue : links und rechts darauf losschlagen. 1.8 Bjoor un Sluk deerbäte haue : viel Bier und Schnaps trinken. 1.9 wai un Wier haue : pendeln. 2. (+ sik) sich prügeln: jo häbe sik toulääst uum dät Wucht hauen : sie haben sich zuletzt um das Mädchen geprügelt. haue mäd : schwingen: hie haut mäd ju Swiepe: er schwingt die Peitsche.

goisje

1. strömen; in großer Menge irgendwohin fließen; sich ergießen: 1.1 die Rien goisede bee/ do Muren andeel : der Regen strömte die Mauern herunter. 1.2 dät Bjoor uut dät Fät goisede uur do Stoule un Boanke : das Bier aus dem Fass ergoss sich über die Stühle und Bänke.

Gier (a) , die

Gier, heftiges Verlangen: hie häd Gier ätter ‘‘n Glääs Bjoor : er verlangt, sehnt sich nach einem Glas Bier.

flau

1. (Geschmack) schal, abgestanden: dät Bjoor smoaket flau: das Bier schmeckt schal. (Kost) fade, nicht würzig: 2.1 dät ieten smoaket flau : das Essen schmeckt fade. 2.2 flau soalten : mild gesalzen, nicht hinreichend gewürzt. schwach, matt, kraftlos: 3.1 flau fale/wäch?ide : in Ohnmacht fallen; das Bewusstsein verlieren. 3.2 dät is ‘‘n flauen Wäänt : das ist ein kraftloser Bursche. 3.3 mie is flau tou : mir ist schwindlig. (Tier) fressunlustig: die Huund is flau in t Freten un gungt nit moor bee/ sin Näp : der Hund ist fressunlustig und geht nicht mehr an seinen Napf heran. 5. windstill: Bute is flau; du koast wiedwai here : draußen ist es windstill; man kann weithin hören.

fersloain

(Getränk, vor allem Bier) schal, abgestanden: fersloain Bjoor : abgestandenes Bier.